Dienstag, 8. Juli 2014

Nicht aller Anfang ist schwer


Das Schöne am Imkern ist, dass man damit anfangen kann, ohne allzu viel darüber wissen. Es bringt einem Anfänger nicht viel, sich durch eine ganze Bibliothek von imkerlicher Literatur zu lesen, das verwirrt nur. Über Langstrothbeuten, Zanderwaben, Dadantbeuten , Umlarvlöffel, Brutbretter oder Bienenfluchten braucht man als Imkernovize eigentlich noch nichts zu wissen, auch nichts über Schwänzeltanz, Putztrieb und Weiselmütterchen.


Die Bienenhaltung ist nicht vergleichbar mit dem Halten eines Hundes oder einer Katze, die man, zumindest in ihrem Kinder - und Jugendalter, von morgens bis abends “betüddeln” muss, die regelmäßig dem Tierarzt vorgeführt werden, mit denen ich Gassi gehen muss, für deren tägliche Fütterung ich sorgen muss.

Bienen sind domestizierte Wildtiere. Sie überleben, zumindest bis zu den 70er Jahren, seit das Varroa-Problem fast allen Bienenvölkern in Europa zu schaffen machte, auch ohne den Menschen. Umgekehrt sieht das anders aus. Wer kennt nicht den in den Medien permanent wiedergekäuten Einstein-Spruch: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Stimmt ja, aber ist etwas zu vereinfacht. Aber dazu später mehr.

Und weil Honigbienen Wildtiere sind, kann man als Anfänger gar nicht so viel falsch machen, solange man sie nicht allzu sehr mit Fürsorge und Vorwitz belästigt. So mancher Anfänger hat beim dauernden Öffnen seines ersten Bienenstocks die Königin “totgeguckt”. Meistens ist sie beim Raus und Rein der “Wabenkontrolle” zerquetscht worden. Wenn das im Spätsommer oder im Herbst passiert, dann bedeutet das den Untergang des gesamten Bienenvolkes.

In meinem ersten Imkerjahr habe ich fast immer zusammen mit meinem Imkerpaten W. an den Bienen gearbeitet - wobei das Wort Arbeit nichts von Maloche an sich hat.

Bei der Kleinimkerei hält sich der Zeitaufwand wirklich in Grenzen. In der sogenannten Schwarmzeit von Anfang Mai bis Ende Juni sollte man seine Völker etwa alle zwei Wochen nach Weiselzellen untersuchen und diese zerstören, wenn man das lästige Schwärmen verhindern will.

Wichtige imkerliche Eingriffe in den ansonsten von den Tieren selbst oganisierten Bienenalltag sind das Aufstocken der Völker während der Tracht, die Honigernte, die Winterfütterung und leider auch die Varroabekämfung. Ohne die Hilfe des Menschen würden unsere Bienen auf Dauer wegen des Zerstörungswerkes dieser Killermilbe untergehen. Was die Varroabekämpfung betrifft sind wir Menschen den Bienen gegenüber in der Pflicht. Ohne uns Menschen hätten die Bienen diesen aus Asien eingeschleppten gefährlichen Parasiten gar nicht.

Imkern ist aber auch Geben und Nehmen. Wer Honig erntet, nimmt den Bienen ihren Vorrat an Winterfutter. Ohne energiereiche Nahrung überleben die Bienen den Winter nicht. Deshalb muss der Imker den Insekten Nahrungsalternative geben in Form von Futterteig oder Zuckerwasser, oder genug Honig im Stock belassen, mit denen die Insekten die Energie zehrende kalte Jahreszeit überstehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten sind Bienen den ganzen Winter über aktiv und halten mittels Körperwärme eine konstante Stocktemparatur von 35 ° Celsius.

Bienenwissen erwirbt man am besten nach und nach im Laufe eines Bienenjahres. Ich bin froh, im Frühjahr mit einem Jungvolk begonnen zu haben. Zusammen mit meinem Imkerpaten haben wir alle zwei bis drei Wochen den Bienenkasten geöffnet, um nach dem Rechten zu sehen. So habe ich gelernt, was ein Brutnest ist, was bestiftete Waben sind, woran ich erkenne, in welchem Larvenstadium sich die heranwachsenden Bienen befinden, dass die Drohnenzellen deutlich größer sind als die Arbeiterinnenzellen.

Vor allem mit der Arbeit an den Bienen eignet man sich die notwendigen imkerlichen Grundkenntnisse und die bienenpflegerischen und die handwerklichen Tätigkeiten des Imkerns an. Natürlich ist auch Theorie wichtig. Neben der imkerlichen Fachliteratur, die meist den Berufsimker als Adressaten haben, gibt es im Netz adertausende von Bienenseiten, die sich mit dieser faszinierenden Spezie beschäftigen. Aber Vorsicht!

Immer noch gilt der Spruch: "Zwei Imker, drei Meinungen." Am besten beraten ist man, wenn man die Internetseiten der Bieneninstitute besucht. Hier gibt es zu fast jedem Problem und zu jeder imkerlichen Maßnahme guten Expertenrat umsonst.

Text: © Marzellus Boos, alle Rechte vorbehalten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen