Sonntag, 21. September 2014

Marguerite und Floriane - Namen als Respektsbekundung

Bienenkönigin und Arbeiterinnen auf einer Brutwabe.
Meine Frau hat unseren Bienenköniginnen Namen gegeben. Marguerite heißt die  Königin des mittlerweile stark gewordenen Arbeitsvolkes aus dem Vorjahr, das fleißig Nektar erntet. “Floriane” heißt die Königin über das Jungvolk, das seit dem Frühjahr aus einem Ableger des ersten Volkes entstanden ist.



Bei Bienen kann man auch nur der Königin einen Namen geben. Bei einer Sommerstärke eines Bienenvolks von bis zu 60.000 Insekten verliert man sonst auch schnell den Überblick. 

Die Namen “Marguerite” und “Floriane” erinnern an die Blumen, die die Bienen besuchen um Nektar und Pollen zu sammeln. Marguerite heißt wörtlich “Perle des Lichts”. Für eine Königin, die in einer auf Schwarmvermeidung ausgerichteten Imkerei nur einmal im Leben, nämlich auf ihrem Hochzeitsflug den dunklen Stock verlässt, um sich befruchten zu lassen, mag der Name nicht ganz passen. Aber alle ihre Kinder, die “Margueritchen” machen ihrem Namen Ehre, wenn sie emsig aus- und einschwärmen um Nektar und Pollen für ihre Wintervorräte einzutragen.


Man mag das vielleicht albern oder sentimental finden, aber in meiner Kindheit im kleinen Eifeldorf Ormont war es absolut üblich, den Haustieren einen Namen zu geben. Das war ein Zeichen des Respekts vor den anvertrauten Kreaturen, diese mit Sorge und Freundlichkeit zu hegen und zu pflegen. So betrachtet ist die Bienentaufe durchaus als Programm zu verstehen.

Als die Tiere mit der Industrialisierung der Landwirtschaft ihre Namen verloren haben sind sie zu anonymen Produkten geworden und der Respekt vor der Kreatur ist damit weitestgehend verloren gegangen. Mit der “Bienentaufe” möchte ich den Insekten in meinem Garten eben diesen schuldigen Respekt bekunden.

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