Mittwoch, 24. September 2014

Warum Bienen? Die Nachteile zuerst!


Bienen machen Arbeit, sie schränken meine Zeitsouveränität ein, bei der Mini-Imkerei, wie ich sie seit anderthalb Jahren betreibe, stehen die finanziellen Investitionen am Anfang in keinem Verhältnis zum Honigertrag, ich lade mir eine Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere auf und dazu kommt dann noch, dass Bienen stechen, zumindest gelegentlich...Aber es gibt so viel, was für eine aktive Beschäftigung mit diesen faszinierenden Insekten spricht:

Die Frage, warum wir Menschen uns so gern mit Bienen beschäftigen, ist ja nicht damit beantwortet, dass man aufzählt, warum man vom Imkern die Finger lassen sollte.

Den Anfangsimpuls hat mein Kollege W. gegeben, promovierter Biologe, Bienenexperte und praktizierender Imker, mit dem ich über die unbefriedigende Apfelernte trotz guter Blüte gesprochen habe. Das Gespräch endete mit seinem Angebot, mein “Bienenpate” zu werden. Sein Patengeschenk bestand aus einem Jungvolk und dem Versprechen, mir ein Bienenjahr lang beim Imkern zur Seite zu stehen.

Seit Anfang Mai 2013 ist dann unser Hausgarten nun auch ein Bienenstandort. Und wenn ich jetzt diese Zeilen schreibe, muss ich sagen: das war war eine gute Entscheidung. Die Bienen machen eigentlich wenig Arbeit aber viel Freude.

Der Humorist Wilhelm Busch, der sich neben der Zeichenkunst und der Schriftstellerei durchaus ernsthaft mit der Bienenhaltung beschäftigte, hat eine solche Antwort in einem längeren Aufsatz mit dem Titel “Unser Interesse an den Bienen”(1867) gegeben: “Kopf, Herz und Magen und der äußere Repräsentant des letzteren,[...] der Geldbeutel, schwingen sich, wie immer so auch hier, im lustigen Wechselreigen.”

Was der Dichter damit meint, kann ich nachvollziehen. Je mehr ich über Bienen weiß und lerne umso faszinierender werden sie mir. Allein schon die Vielseitigkeit der Insekten beeindruckt. Sie sind: “Babysitter, Amme, Diätschwester, Hofdame, Wachsfabrikant, Maurer, Architekt, Kälte- und Wärmetechniker, Nahrungsmittelchemiker, Portier, Putzfrau, Aufklärer, Transportflieger und [...] Fernsehansagerin, die wichtige Nachrichten tanzen kann” ( Horst Stern hat das in seinen "Bemerkungen über die Bienen" einmal so formuliert)

Auf der Ebene des “Herzens”, heute würde man sagen “auf der emotionalen Eben, liegen die Freude über die Gesundheit meiner beiden Bienenvölker, die Bewunderung für den Fleiß und die selbstlose Hingabe, mit der sich die emsigen Nektarsammlerinnen für das Wohlbefinden und das Überleben ihres Volkes einsetzen, der Stolz und das Selbstbewußtsein, das man empfindet, wenn man zum ersten Mal ganz alleine eine Stockdurchsicht gemacht hat, ohne dabei von stechlustigen Insekten angefallen und vermöbelt worden zu sein, die Aussicht auf einen guten Honigertrag, die Freude über den ersten Frühjahrsflug eines gut über den Winter gekommenen Bienenvolkes, die Beobachtung der Natur mit dem Blick auf eine gute Bienentracht...

Was den oben zitierten Magen und seinen äußeren Repräsentanten betrifft ist auch die Honigernte ein beachtlicher Grund für mein neues Hobby. Die Honigdelikatessen aus dem eigenen Garten sollen dabei weniger meinen Geldbeutel füllen. Wichtiger sind mir die Gewinne auf der emotionalen Ebene, die ich bei meiner Familie, meinen Freunden und Nachbarn verbuche, wenn ich ihnen mit dem Honig immer ein wertvolles, gesundes und willkommenes Geschenk machen kann.

Doch neben Kopf, Herz und Magen sehe ich noch weitere Gründe für die Beschäftigung mit Bienen. In unserem modernen Zeitalter haben wir zwar auf einer abstrakten Ebene unsere Abhängigkeit von den natürlichen Lebensgrundlagen erkannt und durchschaut. Gleichzeitig kann man beobachten, wie wir uns als Gesellschaft immer stärker von der Natur entfremden. Die Imkerei erscheint mir als ein probates Mittel, dieser Entfremdung entgegenzuwirken. Man braucht nur wenig Platz, wenig Vorlaufzeit und wenig materiellen Aufwand, um sich eine kleine Hobbyimkerei aufzubauen.

Natürlich ist Bienenhaltung auch eine ausgezeichnete Methode, aktiven Umweltschutz zu betreiben und für den Erhalt der botanischen Vielfalt in einer Region zu sorgen. Als Bestäuber von 80% unserer Pflanzen, sorgen Bienen für deren Erhaltung und Ausbreitung. Die Imkerei wirkt dem Verlust von Artenvielfalt entgegen und sorgt für "blühende Landschaften".

Und dann gibt es noch einen Grund: Ich schreibe ganz gern! Ich bin weit davon entfernt ein "Bienenexperte" zu sein und meine Tipps werden sich am Anfang dieses Blogs in Grenzen halten. Ich möchte mich in diesem Weblog vor allem damit beschäftigen, was ich als Neueinsteiger in die Hobbyimkerei für ganz persönliche Erfahrungen mit meinen Bienen mache.

Text: © Marzellus Boos, alle Rechte vorbehalten

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