Mittwoch, 22. Oktober 2014

Bienen sind hip und Imkern ist chic

Auch auf dem Berliner Abgeordnetenhaus finden Bienen Asyl
Nach Urban-Gardening hält Urban Beekeeping als neuer ökologischer Lifestyle Trend Einzug in die deutschen Metropolen.


Fast täglich gibt es Nachrichten von jungen Großstädtern, die sich irgendwo in Deutschland der urbanen Bienenhaltung widmen. Umweltbewußte  Jungimker/Innen geben auf den Balkonen ihrer Mietwohnungen in speziellen,  "Bienenkisten" Zigtausenden InsInsekten ein Zuhause. Von hier aus verrichten die fleißigen Tierchen ihr segensreiches Werk des Bestäubens und Nektarsammelns. Blühende Städte brauchen Bienen und Bienen brauchen Imker und Imker brauchen eine Ausrüstung.

Da war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass ein Geschäftsmodell von sich reden macht, das den neuen urbanen Öko-Trend aufgreift und all denen, die auf den "Bandwagon" aufspringen wollen, das passende Equipment anbietet, Workshops und Seminare zur Bienenhaltung inklusive.

Wie "Die Welt" berichtet, hat ein junger Berliner diesen Bedarf erkannt. In einer "Fundraising-Kampagne" sammelt er aktuell das notwendige Kleingeld um selbst entwickelte "Bienenboxen" zu bauen. Erfindungsgeist trifft Umweltbewusstsein. Sein Traum: die Kisten in alle deutschen Städte bringen – und mit ihnen die Bienen.

Wenn das alles so einfach wäre! Bienen sind keine Haustiere, die man an der Leine ausführen kann und die man auf ihren Ausflügen von anderen Bienen fernhalten kann. Man muss ein Bienenvolk, um das man sich kümmert, nicht nur hinsichtlich Varroabefall permanent im Auge behalten. Es gibt einige Bienenkrankheiten und Bienenseuchen, die sich rasend schnell ausbreiten, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden. Und da hat man nicht nur gegenüber seinen Bienen eine Verantwortung.

Die urbanen "Neuentwicklungen" haben gegenüber den in der Imkerei üblichen Magazinbeuten große Nachteile bei der regelmäßigen und gewissenhaften Stockpflege und -kontrolle. Nachlässigkeiten und Schlampereien eines einzigen unbedarften Balkonimkers könnten die Imkerei in einer ganzen Stadt von jetzt auf gleich vernichten. Das Seuchenrisiko ist ziemlich hoch bei einer Bienendichte wie z.B. in Bonn, wo sich "120 Imker auf den Füßen herum[trampeln], um Platz für mehr als 1000 Bienenvölker zu finden". [Zitat aus einem Kommentar]

Es geht nicht darum, Menschen zu entmutigen, die wirklich etwas für das Überleben der Honigbienen und für die Verbesserung ihrer Umwelt tun wollen. Aber gute Absichten und naive Vorstellungen von urbaner Bienenhaltung, wie sie durch die Berichterstattung in den Medien kolportiert werden, helfen niemandem, vor allem nicht den Bienen.

MeinTipp: Wer ernsthaft mit dem Imkern anfangen will, der muss a) nicht unbedingt in der Stadt wohnen, der sollte b) sich um einen Bienenpaten bemühen, oder c) sich von einem Imkerverein beraten, betreuen und schulen lassen, und d) seine Bienen in einer konventionellen Bienenbeute halten.

Für meine Bienen habe ich die Beuten selbst gebaut. Das kostet wenig Geld und man greift auf Erfahrungen zurück, die gesichert sind. Die sogenannten "Hohenheimer Einfachbeuten", die von der Bienenkundeabteilung der Uni Hohenheim entwickelt wurden, erlauben eine Betriebsweise nach modernen bienenkundlichen Erkenntnissen und sie sind relativ einfach nachzubauen.  Den Bauplan kann man sich auf der Internetseite der Uni herunterladen.



Bild: „Berlin, Mitte, Niederkirchnerstraße, Preußisches und Berliner Abgeordnetenhaus“ von Beek100 - Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - 

1 Kommentar:

  1. Sag ich doch!

    "Urban beekeeping" wird zum Trend Imkerbund warnt vor Stadt-Imkern

    Es ist eine erfreuliche Entwicklung: Immer mehr junge Leute halten sich Bienenvölker. Zum Teil ganz einfach auf dem Balkon. Sie wollen damit zum Umweltschutz beitragen. Doch wenn sie es nicht richtig machen, bewirken sie sogar das Gegenteil.

    den ganzen Artikel lesen unter http://mobil.n-tv.de/wissen/Imkerbund-warnt-vor-Stadt-Imkern-article13844361.html

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