Dienstag, 14. Oktober 2014

Hornisseninvasion aus Fernost

Die deutschen Imker haben erneut Grund zur Sorge. Ein neuer Bienenfeind bedroht ihre Völker.   Die Asiatische Hornisse breitet sich rapide in ganz Europa aus. Unsere Honigbienen gehören in ihr Beuteschema.

Vespa velutina nigrithorax, wie die invasive Wespenart unter Biologen genannt wird, wurde 2004 mit einer Ladung Tonwaren aus China eingeschleppt. Von der französischen Atlantikküste dringt sie seitdem in Süd- und Westeuropa vor. Nach der Ausbreitung in Frankreich erreichte sie 2010 Spanien, 2011 war sie in Belgien angekommen, 2013 in Italien und im September wurde sie erstmals in Deutschland eindeutig identifiziert.

Die Raubwespe, die sich von unserer heimischen Hornisse durch ihren schwarzen Brustpanzer unterscheidet, ernährt sich genau wie diese von erbeuteten Fluginsekten, u. a. auch von Honigbienen. Erst wenn sie in größerer Zahl direkt vor deren Fluglöchern der Bienenstöcke jagen, können sie ein ernstes Problem für die Imkerei darstellen.

Die Hornissen sind nicht aggressiv, wenn man sie in Ruhe lässt. Aber sie greifen Menschen und Tiere im Schwarm an, wenn sie ihren bis zu 60 Zentimeter langen Nestern zu nahe kommen. Wie bei ihren europäischen Verwandten überlebt nur die Königin den Winter. Aber im Laufe eines Sommers bilden sich Völker mit mehreren tausenden Individuen. Starke und gesunde Bienenvölker sind durch die asiatische Hornisse nicht gefährdet. Sie könnte jedoch unsere heimische Hornisse (Vespa crabro) verdrägen.

Als Einzeljäger erbeuten sie nur Tiere in individueller Jagd. Weitaus gefährlicher ist dagegen ihre Verwandte, die Asiatische Riesenhornisse, Vespa Mandarina, der Schrecken asiatischer Imker . Besonders im Spätsommer greifen sie in koordinierten Massenangriffen Bienen- und Wespennester an und richten großen Schaden an. Im Gegensatz zu unserer westlichen Honigbiene haben deren Schwestern aus Fernost interessante Abwehrstrategien gegen diese fünfmal gößeren Raubinsekten entwickelt.

Um einem Massenangriff zuvor zu kommen stürzen sie sich mit  mehreren hundert Bienen blitzartig auf  Hornissenspäherinnen, die in die Nähe ihres Stocks kommen. Sie bilden einen ballförmigen Schwarm um die Hornisse, in dessen Innern sie durch Muskelzittern eine Temperatur von über 45 °C erzeugen. Die Bienenfeindin stirbt in dieser Hitzekugel. Die Bienen selbst überleben den Hitzeangriff, sie können kurzzeitig Temperaturen bis zu 50 °C ertragen.

Doch was die Apis Carnica kann, haben unsere heimischen Bienen nicht in ihrem Verhaltensrepertoire. Sollte uns die fortschreitende Globalisierung einmal die Riesenhornisse bescheren, dann hat sie auch hier keine Chance, ihr Überleben aus eigener Kraft zu sichern.

Die Invasion der schwarzen Hornissen aus Asien zeigt, dass wir aus dem Desaster "Varroa Destructor" als Europäer wenig gelernt haben.

Informationsblatt zur Identifizierung von Wespen und Hornissen

Bildquelle: Wikipedia CC_Lizenz  Vespa velutina nigrithorax Buysson, 1905 Autor: Didier Descouens


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