Freitag, 31. Oktober 2014

Malen für die Ewigkeit - Bilder in Wachs

Der Streit darüber, ob Leonardos Mona Lisa nun eine Idealfigur oder eine reale Person war, beschäftigt Kunsthistoriker seit Jahrhunderten. Die "Fajumportraits" werfen ganz andere Fragen auf.


Bei den ägyptischen Mumienportraits aus dem 1. - 3. Jahrhundert nach Christus  liegt das Forschungsinteresse auf der realistischen Abbildung der Alltagskultur und auf der besonderen Qualität der Maltechnik.  Die meisten Portraits wurden mit pigmentiertem Bienenwachs gemalt.

Über 900 solcher Totenbilder in Wachs auf Holz sind in den Antikensammlungen der  Museen in aller Welt zu besichtigen. Der Großteil wurde in den Nekropolen nahe der ägytptischen Stadt Fajum gefunden. Die bemalten Holztafeln liefern den Archäologen wichtige Erkenntnisse über die Alltagskultur im Ägypten der Kleopatra und der Zeit danach. Schmuck, Frisuren, Bartmoden und Kleidung sind in einer realistischen Malweise dargestellt, die in der römischen Kunsttradition steht.

Während der Epoche der römischen Besatzung verschwanden viele Bräuche. Aber der alte Totenkult lebte in der ägyptischen Oberschicht weiter. Leichen  wurden mumifiziert, erhielten einen dekorierten Sarg und über den Kopf der Mumie legte man eine mit heißen Wachsfarben bemalte Holztafel, die den Verstorbenen in Form eines Brust- oder Kopfbildnisses in der Frontalansicht abbildete.

Auffallend an allen Funden ist die Lebendigkeit und die Frische der Farben. Ihre Lichtechtheit verdanken sie der Langlebigkeit und Elastizität von Bienenwachs.  Die genaue Rezeptur der antiken Farben liegt im Dunkeln. Auch die Maltechnik selbst ist nicht genau überliefert. Die Archäologen vermuten, dass heißes, flüssiges Bienenwachs vermischt mit Farbpigmenten und Nussöl entweder auf die zu bemalenden Untergründe gegossen wurde, oder dass man die Farben mit heißen Spachteln auftrug und sie mit Hitze abstrahlenden Eisenstäben in die Materialien einbrannte.

Diese "Enkaustik" (übersetzt: Einbrennen) genannte Technik ist viel älter als das Malen in Öl. Schon vor zweieinhalb Jahrtausenden arbeiteten Griechen, Römer und Ägypter mit Farben auf der Grundlage von Bienenwachs.

Die Künstler der Antike  bemalten nicht nur Holz mit ihren Wachsfarben, sondern auch Elfenbein und Stein. Doch im 6. Jahrhundert verliert sich die alte Kunsttechnik. Wahrscheinlich war die Herstellung und das Auftragen der Farben ziemlich aufwändig. An ihre Stelle traten Ei-Tempera Farben, bei denen Pigmente, Wasser, Öl und Ei, ein natürlicher Emulgator, zu einer Farbe gemischt wurden, die mit Pinsel oder Bürsten aufgetragen werden kann. Später mischte man Ölfarben dann aus Terpentinöl und Harzfirnis.

Doch diese Farben der alten Meister machen unseren Museumskonservatoren Sorgen. Tizian, Dürer oder Rubens konnten nicht wissen, dass ihre Gemälde mit den Jahrhunderten ihre ursprüngliche Farbbrillanz verlieren würden.  Abdunkeln und Schwundrisse sind weitere Probleme, die zum Verlust der bedeutendsten Kunstschätze der Menschheit führen könnten.

Hätte beispielsweise Rubens seinen "Ikarus" sinnigerweise in Wachs statt in Öl gemalt, wären die Farben wesentlich frischer. So entwickelt sich nun sein berühmtes Bild erkennbar in Richtung einer colorierten Grafik.

Bienenwachs eignet sich halt nicht nur zum Verkleben von Gänsefedern. Das Wissen um die antike Enkaustik-Kunst wird wohl nie mehr richtig erforscht werden können. Die alten Rezepturen und Techniken sind im Dunkel der Vergangenheit verschwunden.


Malen mit dem Bügeleisen

P.S: Seit den 80er Jahren erlebt das Malen mit Wachs eine kleine Renaissance. Gemalt wird mit einer Art Bügeleisen. Die verwendeten Farben bestehen zu 80% aus reinem Bienenwachs. In einer kleinen Youtube - Galerie habe ich einige Beispiele für das Malen mit pigmentiertem Wachs zusammengetragen.

Was dabei herauskommt sind interessante abstrakte Kreationen wie diese. Sie erinnert an Honig, Wachs und Bienen, oder?









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