Dienstag, 25. November 2014

Imker, Barkeeper und Heilige


Ambrosius von Mailand, Sankt Peter am Wimberg (Bild)
Der heilige Ambrosius ist Schutzpatron der  Imker, Wachszieher und Lebkuchenbäcker, der Bienen, Haustiere und des Lernens. Seine Attribute sind Geißel, Buch und Bienenkorb.

Die Legende erzählt eine etwas mekwürdige Geschichte aus der Kindheit des Kirchenvaters. Während Ambrosius schlief, soll sich ein Bienenschwarm auf seinem Gesicht niedergelassen haben. Die Tierchen seien in den Mund des Kindes gekrochen und hätten es mit Honig genährt.

So etwas "Wunderbares" ist nicht nur dem heiligen Ambrosius passiert. Ähnliche Kindheitserfahrungen mit Bienen sind auch über Plato, Sophokles, Xenophon und Vergil im Umlauf. In unserer nicht mehr so wundergläubigen Zeit nehmen wir deshalb mal an, dass weise Philosophen, begnadete Redner und geistreiche Schriftsteller nicht real im Schlaf von Bienen gespeist wurden, sondern dass wir es hier mit einer Allegorie für Rednergabe und Inspiration zu tun haben.

Ambrosius (*340 - †397) soll in Trier geboren und aufgewachsen sein. Mit seiner Familie zog er nach dem Tod des Vaters, der Präfekt von Gallien war, nach Rom. Seine Gelehrsamkeit und sein Rednertalent führten zu einer rasanten politischen Karriere. Er stieg zum Prätor von Ligurien und Aemilien auf und war Statthalter von Mailand, Turin, Genua, Ravenna und Bologna.

Als eine Art Kompromisskandidat von Katholiken und Arianern, die nicht an die Dreifaltigkeit glaubten, wurde er am 7. Dec. 374 zum Bischof von Mailand gewählt, ein historisches Datum übrigens auch für den Honig. In einer Zeit, in der es für alles und jedes einen Gedenktag gibt, ist der 7. Dezember, Ambrosius sei Dank, seit 22 Jahren auch der internationale "Tag des Honigs".  

Als Bischof muss der Heilige eine gute Figur gemacht haben. Er war ein mutiger und aufrechter Mensch, der notfalls ohne Ansehen der Person in seinem Bistum für Ordnung sorgte. Ambrosius verbot Kaiser Theodosius, Herrscher über Kirche und Staat, im Chor der Kirche zu sitzen, was nur den Geistlichen vorbehalten war, mit den Worten: »Der Purpur macht zum Kaiser, aber nicht zum Priester.«  Der Kaiser trollte sich und zog sich zu den Laien ins Kirchenschiff zurück. Einem Vertrauten soll er gesagt haben: "Ich habe spät den Unterschied zwischen einem Bischofe und einem Kaiser gelernt. Ich war immer von Schmeichlern umgeben, und habe jetzt erst einen Mann gefunden, der mir die Wahrheit gesagt hat. Ich kenne nur Einen, der Bischof zu seyn würdig ist, den Ambrosius."


Schade, dass Ambrosius wegen seines Mutes, seines Rückgrats und seiner Geradlinigkeit nicht auch noch zum Schutzheiligen der Politiker geworden ist.

Seine Rolle als Patron der Imker muss Ambrosius sich übrigens mit dem Heiligen Bernhard von Clairveaux teilen. In bildhaften Darstellungen des Ordensgründers findet man ebenfalls den Bienenkorb als Attribut, was seine  überzeugende Beredsamkeit symbolisiert. Zeitgenossen nannten den rhetorisch begnadeten Kreuzzugsprediger "Doctor mellifluus", einen "honigfließenden Lehrer".

Wie viele seiner Kollegen ist auch der Heilige Bernhard ein Schutzheiliger für und gegen alles Mögliche: gegen Kinderkrankheiten, Besessenheit, Dämonen und Tierseuchen, für den Schutz bei Gewitter und Unwetter. Auch er schützt die Bienen, die Hunde, die Imker und Kerzenzieher, und last but not least die Barkeeper.

Warum gerade die Barkeeper sich einen Heiligen als Schutzpatron ausgesucht haben, der wie selten ein anderer die Askese als gottgefällige Lebensführung predigte, ist mir ein Rätsel. Rednergabe braucht man auf ihrer Seite des Tresens eigentlich ja auch nicht, eher schon die Fähigkeit, sich jeden Unsinn anzuhören. Vielleicht sind die Bienen ja das "Missing Link". Immerhin gibt es etliche Cocktails, die Honig enthalten. Darunter einer mit dem Namen Honey Bee, "ein dezent süßer, würziger Drink aus Cîroc Vodka, Captain Morgan Original Spiced Gold, Zitronensaft und Honig". Hier ist das Rezept


Interessante Links:

St. Ambrosius in Stadtlers Heiligenlexikon

Bernhard von Clairveaux in Stadtlers Heiligenlexikon

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen