Dienstag, 18. November 2014

"Die Biene ist gelandet"

Expedition 41 Soyuz TMA-13M Landung Bild: NASA

Die "erste Biene im All" stammt aus einem Bienenstock vom Dach der Bundeskunsthalle Bonn. Im Gegensatz zu anderen Tieren, die als "Dogonauten", "Monkeynauten" oder "Frogonauten" zu Versuchszwecken in die Erdumlaufbahn geschossen wurden, blieb der "Apinautin" aus dem Rheinland ein Heldentod im Dienste der Wissenschaft erspart.

Der Deutsche Astronaut Alexander Gerst ist wohlbehalten zurück von seiner Weltraum Mission auf der ISS - mit im persönlichen Gepäck die erste Weltraumbiene.  In Epoxidharz eingegossen und in ein 5x5 Zentimeter kleines Holzkästchen gepackt, war sie bereits vor dem Hinflug zur ISS tot.

Durfte mit zur ISS - Weltraumbiene
in Kunstharz Bild: Bundeskunsthalle
Der Weltraumauftritt der Biene war leider nur ein "PR-Gag" der Bonner Bundeskunsthalle für die zur Zeit laufende "Outer Space"- Ausstellung. Einen echten wissenschaftlichen Erkenntniswert darf man nicht erwarten, es sei denn man wollte sich kritisch mit unserem momentanen medialen Zeitgeist befassen.

Nach der "Welcome Back" Party für Alexander Gerst soll die bislang ungetaufte Biene auf einem scharlachroten Kissen als Schauobjekt in Bonner Museum präsentiert werden. Wissenschaftlich korrekt müsste man vom ersten Bienenkadaver im All sprechen, und man sollte das Objekt auf jeden Fall als zukünftigen Beitrag für Ausstellungen zum Thema "There's no business like showbusiness" aufheben.

Wäre es um die Biene und ihre astronomischen Fähigkeiten gegangen, hätte es eine solche Aktion gar nicht gebraucht. Direkt neben dem zukünftigen Mausoleum für die Bonner Weltraumbiene befindet sich eine Replik der "Himmelsscheibe von Nebra". Die abstrakten Darstellungen auf der 4000 Jahre alten Scheibe sind für die Menschen der Bronzezeit außergewöhnlich, setzen sie doch jahrzehntelange präzise Himmelsbeobachtungen und einen hohen Abstraktionsgrad voraus.

Da können Bienen locker mithalten. Bienen haben schon nach dem Sonnenstand navigiert, da war der Mensch evolutionsgeschichtlich noch nicht in Sicht. Ein wichtiger Teil ihrer Kommunikation beruht auf der Beobachtung der Sonne. Ihre Rund- und Schwänzeltänze beziehen sich immer auf die exakte astronomische Position unseres Muttersterns. Wären Bienen nachtaktive Insekten, würde ich mich nicht wundern, dass sie auch nach den Sternen navigieren könnten.

Experimente mit lebenden Bienen unter den Extrembedingungen des Weltraums waren bisher noch nicht im Programm der Raumfahrorganisationen eingeplant. Es wäre beispielsweise interessant gewesen, herauszufinden, wie Bienen ihre Waben unter Bedingungen der Schwerelosigkeit bauen. Bisher geht man davon aus, dass die erstaunliche Regelmäßigkeit des Wabenbaus von der "Geotaxis", das ist die Orientierung an der Erdanziehungskraft, abhängt. Zwei Kreuzspinnen, Arabella und Aranita, waren 1973 bereits auf der Skylab 2 Mission mitgeflogen  und haben beweisen dürfen, dass sie ihre Netze auch in der Schwerelosigkeit bauen. Da hätte man doch auch den Bienen mal eine Chance geben können, wissenschaftliche Hypothesen zu überprüfen.

Die deutschen Beiträge zur Gravitationsbiologie im TEXUS Programm (Technologische Experimente unter Schwerelosigkeit) beschäftigen sich bisher mit Pilzsporen, Algen und dem Gleichgewichtssinn von Buntbarschen. Das wahrscheinlich am besten erforschte Lebewesen neben dem Menschen wurde bisher noch nicht unter den Bedingungen der Schwerkraft untersucht.

Dabei haben Insekten von Anbeginn in der Raumfahrt eine Rolle gespielt. Die ersten Astronauten waren Fruchtfliegen. Ausgerechnet mit einer der ehemaligen NS "Wunderwaffen", einer modifizierten V2 Trägerrakete, wurden sie zusammen mit Roggenkörnern und Baumwollsamen von den Amerikanern für ganze drei Minuten ins Weltall geschossen. Über das biologische Erkenntnisinteresse der "V-2 Firing No. 20" Mission vom 24 Februar 1947 kann man nur spekulieren.

Die zwei Weltraumspinnen habe ich schon erwähnt. 2009 schlüpften auf der Internationalen Raumstation ISS Schmetterlinge aus mitgebrachten Raupen.

Inzwischen gibt es schon etliche Tiere, die im Orbit waren: Hunde, Affen, Ratten und Mäuse. 1968 umkreisten eine Schildkröte, Fliegen und Mehlwürmer in einer sowjetischen Kapsel den Mond. Fadenwürmer überlebten sogar die Columbia-Katastrophe.

Die Honigbiene hat bisher nur als Namensgeberin für die Forschungsraketen Aerobee (USA) und Little Bee (UdSSR) Pate gestanden. Eine echte Weltallpremiere für lebende Honigbienen steht noch aus. Mit dem Satz "The Honeybee has landed" würde dann endlich auch ein neues Kapitel der Gravitationsbiologie aufgeschlagen.

Wer weiß? Vielleicht müssen wir einmal den blauen Planeten verlassen, weil wir ihn unbewohnbar gemacht haben. Auf unseren interplanetarischen Himmelsarchen sollten die Bienen dann auf keinen Fall fehlen.

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