Dienstag, 4. November 2014

Menschen, Bienen, Sensationen


Der Chinese Shen Ping ist amtierender Weltmeister im Bee Bearding
"Größer, höher, weiter, länger, ..., erfolgreicher" - Warum wollen Menschen "jeden Tag ein bisschen besser"  werden?  Auch das Reich der Bienen wird mit den Maßstäben der Leistungsgesellschaft gemessen.

Wer sich dafür interessiert, wer die längsten Fingernägel hat, wer das dickste Schnurknäuel gewickelt hat oder ob Elvis mehr Platten verkauft hat als Paul McCartney, der greift zum  "Guiness Buch der Rekorde".  Der Weltbestseller ist so etwas wie die heimliche Kinderbibel der Leistungsgesellschaft. Da drin zu stehen ist mindestens so bedeutend wie der "15 Minuten Ruhm", einmal im Privatfernsehen zu sein oder mehr als eine Million Seitenaufrufe bei Youtube zu haben.

Wenn sich die Versprechen der Leistungssideologie  in der Realität nicht erfüllen, dann kann man immer noch versuchen, die größte Pizza zu backen, die längste Bratwurst zu stopfen oder 460.000 Bienen auf seinem Körper herumkrabbeln lassen. Der Chinese She Ping ist in dieser Disziplin amtierender Weltrekordhalter.

Noch grotesker als der Bienenstunt aus dem Land des Lächelns ist der erste lebende "Bee-Kini". Wo sonst als im Land der Superlative käme jemand auf die Idee, Bikini und Höschen einer jungen Frau mit Bienen zu dekorieren.  Was der Chinese mit einer  lebendigen Bienenkönigin, die er sich in einem Netz um den Hals gehängt hat, erreicht hat, war bei der jungen Amerikanerin so nicht machbar. Weder die Größe des Busens noch die wasserstoffblonden Haare der Stuntartistin fanden die Bienen wirklich attraktiv. Da mussten schon Pheromone sicherstellen, dass die Bienen ihr an die Wäsche gingen. Die Chemie muss halt stimmen! Aber selbst so etwas ist noch zu toppen!

Wenn ältliche Damen sich plötzlich als umschwärmte Bienenkönigin fühlen und magische Tänze und Gesänge zur Darbietung bringen, dann wird´s rekordbuchverdächtig. Die beteiligten Bienen wollten ihre wirkliche Königin mit dieser mekwürdigen Schamanin auf keinen Fall alleine lassen, das kann man ja verstehen. Aber keine der Bienen hätte sich träumen lassen, dass der Hokuspokus mit Bienen 12 Minuten dauert, und schon gar nicht, dass mehr als eine halbe Million Menschen sich das ansehen würden.

Der Clip mit der Bienenkönigin ist damit das zweitmeist gesehene Bienenvideo. Zum Vergleich: Das "Urbi et Orbi 2013" von Vatikan TV erreichte schlappe 38.000 Besucher. Das Mystikdefizit in der Konsumgesellschaft führt offensichtlich zu einer Renaissance von esoterischen Naturreligionen zu Lasten der katholischen Kirche. Die Inquisition kann das Problem nicht mehr lösen, sie ist abgeschafft.

Den Youtube Rekord bei den Bienenvideos mit fast einer Million Zuschauern hält ein total bekloppter Amerikaner, der mit "Bienenbart" im Gesicht eine Gallone (ca 3,8 Liter) flüssigen Honig austrinkt. Ob das jetzt zusätzlich als "energiereichste Durstlöschung ever" in das Buch der Rekorde eingehen wird, kann man noch nicht sagen. Immerhin wurden bei der Aktion ca 24.000 Kalorien in noch nicht einmal 5 Minuten im Bauch eines übergewichtigen US-Bürgers versenkt. Bringen wir es auf den Punkt - der Ami im Video konsumiert in 5 Minuten mehr Nahrungsenergie als ein hungriger Afrikaner in 17 Tagen.

Wer sich das Video ansehen möchte, sei gewarnt: Kotzalarmstufe ROT!!!

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Wer es trotz höchstem körperlichen Einsatz, bei geringstmöglichem geistigen Aufwand immer noch nicht  in die Stupipedia der Rekorde schafft, der bringt seinem Hund das Seilspringen bei, oder lässt seine Ziege einen Distanzweltrekord auf dem Skateboard aufstellen. Wenn die Haustiere dann den begehrten Eintrag schaffen, könnte man quasi en passant noch als döööfster Tiertrainer Geschichte schreiben.

Was mit Bienen geht, geht ganz sicher auch mit Hund und Ziege. Meinen Katzen wäre das allerdings zu blöd.

Die Rekordbegeisterung der Leistungsbürger kann man auch an den momentan in Mode gekommenen Imagekampagnen für die "Kleinste mit dem größten Job", das "nützlichste" Insekt der Welt, das "wichtigste Nutztier nach Schwein und Rind" nachweisen. Ihre kleinen Rekorde machen sie uns doch erst richtig sympathisch.

Die Biene ist bester Bestäuber von 80% der Nutz und Wildpflanzen, die für unseren täglichen Durchschnittsverbrauch an Honig 165 Ausflüge machen muss. Für ein Kilo Honig fliegen die Bienen etwa 240.000 Kilometer, also 6 mal um die Erde. Auch die ökonomische Leistung der Bienen ist enorm. Allein in der Bestäubung von Erdbeeren in der EU erbringen die Bienen eine Leistung im Wert von einer Milliarde Euro, liest man.

Natürlich gibt es bereits nationale Rekorde, die wir ohne Bienen niemals geschafft hätten. Mit einem Kilo im Jahr sind wir Deutschen Honigkonsumweltmeister. Von der Anzahl der Äpfel, die jährlich von Bienen bestäubt werden, könnte jeder Deutsche 2 Apfelkuchen im Monat backen - Yes, we can! Stellt euch nur mal die Schlagzeile in der BILD vor!

Deutschland Backweltmeister  - 750 Tausend Bienvölker machten es möglich!

Ich will hoffen, dass niemand sich durch meinen Text ermutigt fühlt, seiner mühsam zurückgehaltenen Sucht nach medialer Aufmerksamkeit endlich freien Lauf zu lassen

Tipp: Bevor jemand einen Eintrag ins Guiness Book of Records anstrebt, sollte er sich mit seinem Psychiater beraten.



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