Sonntag, 13. Dezember 2015

Aberglauben und Bienenhexerei

In der Bienenliteratur des 18. Jahrhunderts begnügen sich die Autoren nicht damit, ihr damals gültiges Bienenwissen weiterzugeben. Ihr Einsatz gilt auch dem Kampf gegen ein Ungeheuer, das "...seit dem die Welt steht, leider seinen schwarzen Thron auf Gottes Erdboden aufgeschlagen hat". Gemeint ist der "schändliche Saamen des Aberglaubens", der leider auch die Bienenbehandlung "durchstreuet" habe, wie es in einer verbreiteten Bienenlehre bildhaft heißt. *

Der Pastor und Zoologe Johann August Ephraim Goeze (1731-1793)** berichtet  über skurile Formen verbreiteten Bienenzaubers. Er amüsiert sich über gängige Rituale, die gegen allerhand Imkerprobleme wie Diebe, windige Bienenhändler und leistungsschwache Bienenvölker helfen sollten.

Da  wurden die Wachsreste von Altarkerzen an Mühlrädern befestigt, um Bienenstockdiebe zu nötigen, die kostbare Beute wieder ihrem Besitzer zurückzubringen.

Diebe bestrafte man indem man tote Bienen aus der Nähe des gestohlenen Stockes in ein Tuch einwickelte  und dieses nach Sonnenuntergang auf dem Friedhof vergrub . Das brachte zwar die Bienen nicht zurück, aber schadete zumindest dem Dieb, denn so wie das Tuch und sein Inhalt allmählich verwest, würde es auch dem Bienenklau ergehen. Er stirbt langsam und qualvoll an einer Schwindsucht.

Eine weitere magische Diebstahlsicherung war auch das sogenannte Besprechen. Der Bannspruch: "Steh, Stock, feste |  in deiner Bienenkäste  | Dass dich keine Diebeshand berühre | und dich von hinnen führe" musste drei Mal hintereinander aufgesagt und mit der Dreifaltigkeitsformel "Im Namen des Vaters... " ergänzt werden, und die Bienen blieben vor fremdem Zugriff geschützt.

Verbreitet war die Vorstellung, dass Bienen es als Kränkung auffassen, wenn sie zu billig verkauft werden. In der Folge stellen sie die Arbeit ein und entwickeln sich nicht. Mit solchen auf Aberglauben gegründeten Argumenten trieben Bienenhändler den Preis für ihre Ware  in die Höhe. Die Bienenhalter hielten dagegen mit der fixen Idee, dass nur solche Bienenstöcke gedeihen, die man geschenkt bekommen oder gegen gleichwertige Naturalien eingetauscht hatte.

Wer seine Stöcke vor Raubbienen schützen wollte, der sollte einen Stein, in den vorher ein wütender Hund gebissen hat, ins Innere der Bienenwohnung legen. Eine bis dahin ungebrauchte Nähnadel in den Bienenkorb zu stecken, oder zwei Messer kreuzweise auf den Stock zu legen, oder das Flugloch mit frischem Kälbermist zu bestreichen, versprach die gleiche abschreckende Wirkung.

Den kompletten Bienenbestandes konnte man schützen, indem man den Kadaver eines ungeboren Tieres davor vergrub, oder man schlug einen Nagel, an dem man einen Dieb aufgehängt hatte, in den Türpfosten des Bienenhauses.

Die eigenen Bienen konnte man mit Hilfe von üblen Hexentricks dann auch zur Räuberei bei den Stöcken der Kollegen anstiften. Dazu musste man die Bienen zwingen, an einer am Flugloch befestigten Wolfsgurgel vorbeizustreichen, damit sie die Natur des Raubtieres annehmen.

Neben der Abwehr von Dieben aller Art glaubte man auch, mittels Verträgen zwischen Bienen und Imker die Honig- und Wachsausbeute zu steigern.
"Wir beteuern aufs feierlichste, daß wir, wenn ihr lieben Bienen euch gut halten werdet, euch aufs beste verpflegen, und euch recht lieb und werth halten wollen!" lauteten die Abmachungen in solchen "Bienenverschreibungen".

Mittels magischer Rituale meinte man auch das Schwarmverhalten der Bienen steuern zu können. Wer am Gründonnerstag dem ersten Futterhonig etwas Erde aus einem frisch aufgeworfenen Maulwurfshügel beimischt, dem fliegen das ganze Jahr über die Bienen nicht weg, sondern sie setzen sich dorthin, wo der Imker seinen Schwarm ohne große Schwierigkeiten einfangen kann.

Sicher: ein solcher Kontrakt ist genauso naiv wie die obligatorischen freundlichen Neujahrswünsche an die Bienenvölker, die sich positiv auf den Ertrag und das Verhalten der Insekten auswirken sollten. Doch aus einem solchen Aberglauben spricht dann immerhin eine fürsorgliche emotionale Haltung zu den Immen. Ohne die konnten unsere Vorfahren sich erfolgreiches Imkern nicht vorstellen.



*    Johann Staudtmeier, Bienenlehre ( Link)
**  Johann August Ephraim Goeze: Belehrungen über gemeinnützige Natur- und Lebenssachen für           allerley Leser" ( Link )
*** Illustration: Steinhowel Esopi Appologi, de ape et Iove



* Johann Staudtmeier, Bienenlehre

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