Dienstag, 10. Mai 2016

Hitchcock - Die Bienen (Remake)


Ende August. Die Spätsommersonne verdrängt den kühlen Morgennebel und es sollte ein herrlicher Tag zum Feiern werden. Ein Anwalt mit 18 Begleitern auf einer Partydraisine, gute Laune, Junggesellenabschied. Aber der Horror entwickelt sich schleichend: Auf der Hinfahrt ein Hinweisschild: Vorsicht Bienen. "Caw! Caw!"? Halt, falsch, es war nicht der Rabe! "Summ! Ssumm!" - dunkel, drohend.  Auf der Rückfahrt dann das blanke Entsetzen. Der wilde, heimtückische, mordlustige Angriff des Bienenmobs erfolgt unerwartet, ohne Ankündigung, aus dem Untergrund - Unmengen von Bienen fallen über die wehrlosen Ausflügler her - Stiche - Entsetzen - Panik - Flucht! Spannung, Erschütterung, die Geschichte übertrifft alles, was man sich bisher über Bienen vorstellen konnte. Wie konnte das passieren? 

"Die müssen unter den Gleisen gesessen haben. Einer von uns wurde 15mal gestochen, auch in den Kopf. Er konnte sich dann halbwegs in den Pool eines Privathauses in der Nähe retten. Ein anderer reagierte allergisch auf die Stiche. Er musste ärztlich behandelt werden, sein Gesicht ist jetzt noch ganz angeschwollen. Mir ist zum Glück nichts passiert. Ich habe weitergestrampelt, war wie traumatisiert." schildert der büroblasse Junganwalt seine Erlebnisse und prüft rechtliche Schritte, er weiß nur noch nicht gegen wen.

Es fällt einem als Imker schwer, ein solches Abenteuer ernsthaft zu glauben. Das klingt mir ein bisschen sehr nach Münchhausen. Ein Bienenschwarm unter den Draisinengleisen? Ein "angriffslustiger Schwarm?¨ Es sollen 30.000 gewesen sein? Im Spätsommer?

Dann schwärmen keine Bienen mehr, die bereiten sich auf den Winter vor und haben Besseres zu tun, als Wegelagerei auf Anwälte beim Junggesellenabschied zu betreiben. Die Schwarmzeit ist der Frühsommer (Mai-Juni)! Normalerweise stechen schwärmende Bienen überhaupt nicht. Und wenn, dann plädiere ich auf Notwehr nach § 227 (BGB). So ¨ausfällig¨ wie in der phantasievollen Erlebniserzählung des jungen Anwalts geschildert, werden Honigbienen nur, wenn sie die Existenz Ihres Volkes in Gefahr sehen. Das könnte z.B. passieren, wenn angetrunkene Rechtskundige einen Bienenstock mit einem Bartresen verwechseln. Und selbst dann werfen die Immen nicht gleich alle verfügbaren Kräfte in die Schlacht, sondern zeigen durch sogenannte Drohflüge zunächst einmal an, dass die Getränke ausgegangen sind und man als abgewiesener Gast lieber kräftig in die Pedale der Draisine treten sollte, bevor es Stiche setzt.

Wahrscheinlich ist der Herr Anwalt dem Biene Maja Effekt aufgesessen. Die Schwarz-Gelb-Zeichnung des animierten Kinder-TV-Stars hat leider offenbar nicht nur bei Minderjährigen dazu geführt, dass viele Zeitgenossen Bienen nicht mehr von Wespen unterscheiden können. Überhaupt spricht sowohl der Zeitpunkt als auch das Angriffsverhalten der fürchterlichen Insektenarmee für eine Wespenattacke. Wespenkolonien können durchaus auf bis zu 10.000 und mehr Individuen anwachsen und reagieren äußerst aggressiv, wenn man irgendwie ¨ in ihr Nest sticht¨. Hätte der Junggesellenverein Nerven gezeigt und sich ruhig verhalten, wäre aber auch da nicht viel passiert. Wenn man absolut stillhält, können einen die Wespen sozusagen nicht sehen, weil ihre Facettenaugen nur auf bewegte Objekte reagieren. Aber wahrscheinlich war bei dem Ausflug abwarten ohne Bier zu trinken nicht realistisch.

Natürlich sind Stiche schmerzhaft, egal ob von Wespen oder Bienen, aber damit muss man immer bei einem Ausflug ins Grüne rechnen. Mücken und Schnaken und Zecken sind dabei sogar äüßerst heimtückisch und blutrünstig. Sie zapfen den Lebenssaft von Menschen an, ohne gleich wegen Vampirismus oder gefährlicher (§ 224 StGB) oder schwerer (§ 226 StGB) Körperverletzung belangt zu werden.  Dafür braucht man aber nicht gleich was gegen die Sträucher entlang der Strecke zu ¨unternehmen¨, wie es dem Anwalt vorschwebt, wenn er den Draisinenbetreiber ins haftungsrechtliche Visier nimmt. Die Sträucher tun nun wirklich keinem was, im Gegenteil, sie gehören zur Mutter Natur wie die Wespen des Spätsommers. Und über eine "Tierhalterhaftung", die der Jurist reklamiert, kann die wahrscheinlich nur nachsichtig lächeln.

Wer Angst vor ¨tätlichen Übergriffen¨ der Natur hat, der sollte vielleicht doch besser ein ¨Bier Bike¨ in einer deutschen Großstadt für den Junggesellenpartyspaß buchen. Das Endresultat wäre schließlich das gleiche, und es könnte einen höchstens eine tieffliegende Amazon Drohne bei der Warenauslieferung anrempeln. Für Anwälte hätte das dann den Vorteil, dass man sich an einem amerikanischen Konzern juristisch abarbeiten könnte. Je größer der Gegner umso süßer ist der Sieg.

Aber der Anwalt traut sich offenbar zunächst nur an die "Kleinen". "Ob und gegen wen wir rechtlich vorgehen werden, das kann ich im Augenblick noch nicht sicher sagen. Aber es ist auffällig, dass ganz in der Nähe von dem Ort des Bienenangriffs eine Imkerin wohnt"! - "Meiner Einschätzung nach kann man in so einem Fall durchaus über einSchmerzensgeld nachdenken. In der Draisine hinter uns war eine Familie mit Kindern. Wenn die überfallen worden wäre, wäre das alles vielleicht nicht so glimpflich abgegangen. Irgendjemand muss doch dafür zuständig sein, die Bevölkerung vor solchen Übergriffen zu schützen!" meint der Anwalt.

Wie jämmerlich!

Teuflisch grinsendes Smiley, als Emoticon >:D P.S. Im Namen der Bienen möchte ich den Kläger auf diesem Wege wegen  übler Nachrede nach § 186 Strafgesetzbuch (StGB)abmahnen, denn es ist mir klar geworden, was die Honigbienen empfinden, wenn... Was ist das grausige Geheimnis der Bienen? Sie sammeln sich zu Tausenden, und zu Zehntausenden. Warum? Was führen sie Böses im Schilde?.

Zum wahren Kern des Storyboards: Bienenschwarm überfällt Rechtsanwalt

Bildquelle: von Wayne Wilkinson (Caw! Caw!  Uploaded by AlbertHerring) [CC BY 2.0 ( http://creativecommons.org/licenses/by/2.0 )], via Wikimedia Commons

Kommentare:

  1. Der Film ansich ist nicht schlecht. Wer aber Vernunft besitzt, weiß das wir ohne die Bienen nicht leben können. LG Romy

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