Freitag, 23. September 2016

Aromatherapie mit dem Smoker

Ein Vollbad mit einigen Tropfen Lavendel-Öl lässt uns nach einem stressigen Tag herunterkommen und beruhigt uns. Der Duft der Rosenblüte und von Rosenholz wirkt Angstzuständen, Depressionen, Verspannungen, Gefühlsschwankungen und auch Lustlosigkeit entgegen. Und das Aroma der Melisse hilft bei Stress, nervösen Verspannungen, Melancholie, Depressionen und Schlafstörungen. Das weiß man nicht erst seit es eine Wellnesswelle gibt. Duftbehandlungen mit verdampfenden Pflanzenölen oder mit Räucherwerk gehören zu den ältesten Methoden traditioneller Medizin. Solche Aromatherapien zeigen auch im Bienenstock Wirkung.

Dass Blumendüfte zusammen mit Formen und Farben zu den strategischen Werbemitteln von Blühpflanzen gehören, mit denen sie ihre Bestäuber anlocken, ist ein alter Hut. Neu dagegen ist, dass man mit einer gezielten Aromatherapie aus Blumendüften offenbar auch das Aggressionsverhalten der Wächterbienen und Bienensoldaten drastisch absenken kann.

Französische und Australische Wissenschaftler wollten wissen, ob Pflanzendüfte Bienen im Alarmzustand besänftigen können. Sie können: Anhand einer komplexen Versuchsreihe mit abgefangenen Wächterbienen studierten Sie das Angriffsverhalten der Insekten, wenn nur das Alarmpheromon, das durch eine Drüse in der Nähe des Stachels freigesetzt wird, im Spiel ist. Dann verglichen sie das Aggressionsverhalten mit Situationen, bei denen zusätzlich Pflanzendüfte auf die Bienen einwirken.

Das Ergebnis Ihrer Tests war eindeutig: Die chemisch isolierten Pflanzenduftstoffe Linalool und Phenylethylalkohol blockierten bei den untersuchten Bienenensoldaten die Angriffslust mit dem sie sonst potentielle Stockfeinde attackieren. Wichtig war den Forschern dabei auszuschließen, dass die Pheromone überlagert werden, wie das in der imkerlichen Praxis z.B. mit Rauch aus dem Smoker erreicht wird.

Für meine ganz persönliche imkerliche Praxis und für meine Bienen werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse Folgen haben.  Phenylethylalkohol ist Bestandteil einer großen Anzahl natürlicher ätherischer Öle wie sie in Hyazinthen, Nelken, Rosen und Geranien vorkommen. Linalool findet sich als Aromastoff im Koriander, Bohnenkraut, Basilikum, Majoran, Thymian, Oregano, und vor allem im echten Lavendel, der als Begleitpflanze unter den Rosen wächst. Auch in Melisse und Salbei ist der Stoff enthalten.

Weil diese Küchenkräuter auch eine gute Bienennahrung sind, wachsen sie als üppige Stauden und Gehölze in meinem Garten. In Zukunft sind sie mir beim Zurückschneiden im Herbst zum Kompostieren zu schade. Die Würzkräuter werden getrocknet und wandern in meinen Bienentabak als Räuchermittel für meinen Smoker. Mit den Rosenblättern mache ich das schon lange so, weil ich finde, dass sie beim Verqualmen angenehm duften.

Jetzt weiß ich auch, dass sie als natürliche Aromatherapie meine Bienen in doppelter Weise besänftigen, Nicht, dass meine Bienen besonders stechlustig wären. Aber die Aromen verbrannter Kräuter machen in der Imkerei mehr Sinn als der beizende Qualm geschredderter Eierkartons oder gar verkokelnde Spanplatten, wie es manche Kollegen in Imkerforen empfehlen.


Quellen: Appetitive floral odours prevent aggression in honeybees

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