Sonntag, 25. September 2016

Macht Bienen-Lärm depressiv?

Imker haben mit vielen Problemen zu kämpfen: Vorroamilben, ausgeräumte Landschaften, bienenschädliche Herbizide in der Landwirtschaft und manchmal auch merkwürdige Nachbarn. Ein besonders skuriles Beispiel liefert aktuell ein Rentnerehepaar aus Troisdorf, das wegen des Fluglärms eines Bienenvolkes gegen eine Hobbyimkerin vor Gericht gezogen ist.

Während die Honigbiene in der deutschen Öffentlichkeit höhere Sympathiewerte hat als Papst Franziskus, stören sich die Rentner aus der rheinischen Mittelstadt an dem unerträglichen Bienen-Lärm zweier Bienenvölker im Garten ihrer Nachbarin. Die Flügelschwingungen der Nektarsammlerinnen führen bei den alten Leuten zu ganz unerwarteten Wirkungen. „Das Summen macht mich depressiv!“ – so zitiert das Boulevardblatt "Express" den Rentner. Seine Frau klagt "Ich halte dieses Summen nicht mehr aus“. Die türkische Bienenhalterin schwört dagegen auf die "therapeutische Wirkung" ihrer Bienen. Der Fall belegt schon mal eindrucksvoll die alte rheinische Lebensweisheit "Jeder Jeck ist anders".

Während sich bei Menschen im Alter der Kläger meistens Hörprobleme in Richtung Schwerhörigkeit einstellen, wundert man sich in der Tat über die behauptete Hypersensibilität der Eheleute. So eine Biene verursacht mit ihren Schwingen etwa 20 Dezibel beim Vorbeiflug. Vor dem Flugloch kann es dann mit etwa 30 dbA schon mal etwas lauter werden, wenn viel Flugbetrieb herrscht. Das liegt auf dem Lärmniveau von einer geflüsterten Mitteilung. Ein normales Gespräch hat etwa 55 Dezibel Lautstärke. Gemessen an der behaupteten Hörsensibilität der  Eheleute müssten die Kläger das dann aber schon als lautes, aggressives Schreien empfinden.

Wie auch immer: Die alten Leute haben offensichtlich ein Problem. Vielleicht sollten sie sich mal auf Tinnitus untersuchen lassen. Hoffentlich liegt es nicht daran, dass die Nachbarin eine imkernde Türkin ist. Oder haben die alten Leutchen einfach nur Angst vor Bienen, was zu solchen hysterischen Überreaktionen führt? In einem solchen Fall von "Apiphobie"* wäre der Gang zum Therapeuten sinnvoller gewesen als der vor Gericht.



Ich kann hier nur empfehlen, auf altbewährte Yoga Techniken zurückzugreifen, zum Beispiel "Bramari Prayana". Dabei nimmt man eine entspannte Haltung ein, lächelt, drückt mit den Fingerspitzen ganz leicht auf den Knorpel der Ohrmuschel, atmet ruhig ein, um dann das Ausatmen mit einem ruhigen Summton zu begleiten. Die Technik, die man leicht erlernen und bis ins hohe Alter problemlos praktizieren kann, steht in dem Ruf, Anspannung, Wut und Angst sofort zu lösen. Sie ist sehr effektiv bei Menschen, die unter übermäßigem Stress leiden, da sie den unruhigen Geist sofort besänftigt.

Die altindische Atemtechnik kann genervten Imkern helfen, sich nicht allzu sehr über bienenfeindliche Nachbarn zu ärgern. Im Fall der Troisdorfer Rentner trägt die Yogatechnik dabei ganz sicher auch zur Desensibilisierung gegen Summtöne bei. In unserer Sprache übersetzt heißt "Bramari Prayana" übrigens nichts anderes als "Bienen-Atmung".


Quelle: http://www.express.de/24796970

* Apiphobie - Furcht vor Bienen
Die Apiphobie bzw. Apiophobie (auch Melissophobie) gehört zu den spezifischen Angststörungen und bezeichnet die übersteigerte Furcht vor Bienen bzw. Bienenartigem. So kann schon ähnlich klingendes Summen den Apiphobiker in Angst und Schrecken versetzen. Das Wort Apiphobie setzt sich zusammen aus: apiformes, apis = Bienen; phobos = Angst.

Als Autor von "Bienen - Die Seele des Sommers" kann ich in diesem Zusammenhang auch mein neues Werk wegen seiner therapeutischen Wirkung eindrücklich empfehlen. Wer mein Bienenbuch gelesen hat, weiß am Ende ganz sicher, dass die Honigbienen nicht zu den bedrohlichen Arten gehören, wohl eher zu den berohten.

Der Richter hat die Klage zu Gunsten der Bienenhalterin entschieden. Die Bienen in Troisdorf dürfen weiter summen.

1 Kommentar:

  1. Das ist ein Thema ganz nach dem Geschmack der Boulevardpresse. Auch die BILD ist dabei. Der große Bahnhof, mit dem Richter Büllesfeld angerückt ist, um sich doch mal eine "Hörprobe" zu gönnen, musste enttäuscht abziehen. "Ich höre nichts" wird der Amtsrichter zitiert.

    Sehr bemerkenswert ist da noch die Behauptung. "Auch würden die Bienen sein Obst anknabbern."

    http://www.bild.de/regional/koeln/bienen/irrer-bienen-prozess-47968142.bild.html

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