Montag, 2. Januar 2017

Sexualkunde für ImkerInnen

Angehende(?) ImkerInnen einer Facebookgruppe sind schockiert. Zu einer Filmaufnahme, die das Paarungsverhalten der Drohnen dokumentiert, fallen Kommentare wie: "Pfui Vergewaltigung. In der Natur kann sie sich wenigstens wehren", oder "... sucht sich die Königin nicht die Drohnen aus, die sie begatten dürfen? Hier darf ja jeder Kerl ran .."


Ist Bienensex eine "Massenvergewaltigung" der Bienenkönigin oder warum ist das bei Bienen so?

Es scheint, als ob noch lange nicht jeder Imker mit dem Thema Begattungsflug vertraut ist. Auch wenn es sich bei dem Videoclip um eine geschickte technische Installation zum Filmen des Geschlechtsaktes der Bienen handelt und die Königin fixiert ist und im Kreis bewegt wird, entspricht das doch dem tatsächlichem Kopulationsvorgang in der Natur ziemlich genau.
Hier eine kleine sexualkundliche Leseprobe aus meinem Bienenbuch: "Bienen - Die Seele des Sommers"

Phallus eines Drohn Foto Michael L. Smith Wikipedia
"Der Hochzeitsflug der jungen Königin birgt große Risiken. Der Fortbestand der ganzen Kolonie ist gefährdet, wenn der Weisel zur Beute eines hungrigen Vogels oder eines Bienenwolfs wird. Deshalb wird sie von einer Eskorte von Flugbienen begleitet. Eine Art Heringsschwarmeffekt minimiert das Risiko gefressen zu werden. Es wurde beobachtet, dass einzelne Drohnen von diesen Brautjungfern aggressiv angegangen wurden, um sie von der Paarung abzuhalten. Möglicherweise wird so Inzucht mit Drohnen aus der eigenen Kolonie verhindert.

Gleich mehrere Drohnen befruchten eine Jungweisel auf ihrem Hochzeitsflug. Zwischen acht bis zwölf Prinzen schaffen die Luftnummer der Bienenpaarung. Die meisten Bienenmänner erfüllen ihre Lebensaufgabe nicht, weil sie wegen dem massiven Überangebot an konkurrierenden Samenspendern nicht zum Zuge kommen.Wer es als Drohn schafft, eine Königin zu befruchten, der bezahlt teuer für den Höhepunkt seines Lebens. Beim Begattungsvorgang in der Luft reißen sich die Drohnen regelmäßig ihren kompletten Geschlechtsapparat heraus und sterben als kastrierte Liebhaber.
Die feststeckenden Geschlechtsteile stimulieren wegen der abströmenden Pheromone und ihren optischen Eigenschaften weitere Liebhaber zur Kopulation, so lange bis die Samenblase der Jungweisel voll ist. Schließlich muss der Samenvorrat für die gesamte Regentschaft reichen.
Ein Drohn, der als erfolgloser Galan die Sextrips der Frühsommerzeit überlebt, kehrt zu seinem Volk zurück oder findet für eine kurze Zeitspanne in einem fremden Volk Unterschlupf. Hier wird “Mann” noch eine Zeit lang versorgt, quasi als Samenspender in Reserve. Für den Fall, dass irgendwo im Umkreis eine Bienenkönigin wider Erwarten frühzeitig sterben könnte, hätte man vielleicht noch Zeit, eine neue Stockmutter aufzuziehen, aber die braucht Befruchter. Fatalerweise tragen die geduldeten Gäste mit diesem Verhalten wesentlich zur Verbreitung der von Imkern gefüchteten Varroa Milbe bei."

"Mit Drohnen möchte Mann nicht tauschen" und da gibt es noch andere Gründe. Mehr den Underdogs des Bienenvolkes in meinem Buch "Bienen - Die Seele des Sommers"
Hier bestellen www.mellonia.de.
Bildrechte Titelbild: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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